Geschichte

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zählt Zürich weltweit zur Handvoll der bedeutendsten Finanzplätzen. Die folgende kurze Darstellung der Geschichte des Zürcher Finanzplatzes geht der Frage nach, wie sich der Finanzplatz zu dem entwickeln konnte, was er heute repräsentiert. 

Eine detaillierte Darstellung kann im Artikel Der Finanzplatz Zürich – eine Erfolgsgeschichte von Dr.phil. Robert U. Vogler nachgelesen werden.

Geschichte des Zürcher Finanzplatzes

1755 wird mit der Gründung der Bank Leu & Co. der Grundstein für den Zürcher Bankenplatz gelegt. Dessen eigentliche Geschichte beginnt allerdings erst im Jahre 1856, als mit der Schweizerischen Kreditanstalt (heute Credit Suisse) eine zweite Grossbank gegründet wird. Im Zuge der Industrialisierung entwickelt sich Zürich zum führenden Industriezentrum der Schweiz. Die so gestiegene Standortattraktivität und die bereits etablierten Grossbanken ziehen weitere Banken an, unter anderem die 1863 in Bern entstandene Eidgenössische Bank (EIBA), die im Jahre 1892 ihren Sitz nach Zürich verlagert. Zusammen mit der 1862 gegründeten Bank von Winterthur, welche 1912 zur Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) wird und den Hauptsitz nach Zürich verlegt, bilden die Bank Leu und die Credit Suisse ein Zürcher Grossbankenquartett, dessen Bilanz im Jahre 1908 über 50% der Bilanz der sieben grössten Schweizer Banken ausmacht.

Statue von Alfred Escher 1889; Das Denkmal vor dem Hauptbahnhof Zürich zeugt davon, dass er sein Lebenswerk, die Weichenstellung für eine moderne Schweiz, erfolgreich beendete.

Statue von Alfred Escher 1889;  Das Denkmal vor dem Hauptbahnhof Zürich zeugt davon, dass er sein Lebenswerk, die Weichenstellung für eine moderne Schweiz, erfolgreich beendete.

Nach der Gründung des Bundesstaates 1848 beginnt Zürich die wirtschaftlich führende Rolle in der Schweiz einzunehmen. Im Zuge der Finanzierung von Eisenbahnlinien entsteht das Bedürfnis nach zusätzlichem Kapital. Um den ausländischen Banken zuvorzukommen, gründet Alfred Escher mit seinen Geschäftspartnern die Schweizerische Kreditanstalt, die auch bei der Gründung der Schweizerischen Rückversicherung und der Zürich Versicherung beteiligt war. Kurz nach seinem Tod wird zu seinen Ehren als einem der wenigen Staatsmänner ein Denkmal auf dem Bahnhofplatz erstellt.

Alte Börse (1880) und Nationalbank in Zürich 1922

Alte Börse 1930 (links) und Nationalbank 1922 (rechts) in Zürich

Der Bau der prächtigen Bahnhofstrasse und der für damalige Verhältnisse sehr imposanten Börse im Jahre 1880 hat wortwörtlich den Grundstein für einen repräsentativen Finanzplatz geschaffen. 1905 wird diese Vorrangstellung Zürichs von dem Entscheid untermauert, die Stadt neben Bern zum Hauptstandort der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu machen.

Der neue Hauptbahnhof in Zürich, konzipiert vom Architekten Jakob Friedrich Wanner (1971)

Der neue Hauptbahnhof in Zürich, konzipiert vom Architekten Jakob Friedrich Wanner (1871)

Spätestens jetzt konstituiert sich ein Schweizer bzw. Zürcher Finanzplatz, bestehend aus einer Gruppe leistungsstarker Grossbanken, einer Notenbank, einem einheitlichen Kapitalmarkt und einer intensiven Kapitalexporttätigkeit. In den folgenden Jahrzehnten wächst die Bedeutung der Banken und anderer Finanzdienstleister in der Schweiz weiter an. Zu einem der wichtigsten internationalen Finanzplätze entwickelt sich Zürich aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Paradeplatz (1864)

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts etablieren sich in der Schweiz 625 Banken und Finanzgesellschaften mit mehr als 4300 grösstenteils inländischen Niederlassungen, wobei sich erstere in Kantonalbanken, Grossbanken, Regionalbanken und Sparkassen, Raiffeisenbanken, Privatbankiers sowie übrige Banken gliedern. 126 übrige Banken sind Auslandbanken. Da sich ein gewichtiger Teil der Institute in Zürich konzentriert, kann der Finanzplatz seine Bedeutung im Verlauf des 20. Jahrhunderts ungebrochen ausbauen. Auch die Anfang der 1990er Jahre eingeleitete und bis heute fortdauernde Transformation der Schweizer Bankenbranche kann die herausragende Stellung Zürichs als Bankenplatz nicht gefährden. Von den im Jahre 2008 nach zahlreichen Übernahmen, Fusionen und Liquidationen verbliebenen 332 Banken der Schweiz ist fast ein Drittel in Zürich niedergelassen. Dazu gehören auch die inzwischen auf die Anzahl von zwei reduzierten Grossbanken, die Credit Suisse und die UBS, die frühere SBG: Im Jahre 2003 lag ihr Anteil an der Bilanzsumme aller schweizerischen Banken bei über 65%.

Aufstieg zum führenden Finanzplatz

Der Aufstieg Zürichs zu einem der führenden Finanzplätze weltweit ist dem Geschäftszweig der Vermögensverwaltung zu verdanken, in dem sich die Schweiz bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts und insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert hat. Als Gründe wurden immer wieder das Bankkundengeheimnis und der Umstand genannt, dass die Schweiz nicht direkt von Kriegshandlungen betroffen war. Diese Begründung ist jedoch nicht stichhaltig. Ausschlaggebend waren vielmehr zentrale Einflussfaktoren wie namentlich das stabile Bankensystem und die günstigen Rahmenbedingungen, die politische und wirtschaftliche Stabilität und Rechtssicherheit, die Verfügbarkeit hochqualifizierter Arbeitskräfte, die Steuerattraktivität und die stabile und stets konvertible Währung.

Schalterhalle SKA (1856)

Blick in die Schalterhalle der Schweizerischen Kreditanstalt (1856).

Neben der Vermögensverwaltung entwickelte sich der Finanzplatz Zürich auch im Versicherungsgeschäft, im Bereich der Finanzinfrastrukturen (Börse, Zahlungs- und Wertschriftensysteme) sowie der alternativen Anlagen zu einem der führenden Plätze der Welt.